Im malerischen Dorf Groß Reken in Nordrhein-Westfalen, Deutschland, erhebt sich die Kirche St. Simon und Judas als ein Zeugnis mittelalterlicher Baukunst und religiöser Geschichte. Diese ehemalige katholische Pfarrkirche, die heute sowohl ein sakrales Museum als auch ein aktiver Gottesdienstraum ist, lädt Besucher dazu ein, ihre einzigartige zweischiffige Struktur und zeitlose Schönheit zu erkunden.
Die Ursprünge von St. Simon und Judas reichen bis ins späte 12. Jahrhundert zurück, als sie als Eigenkirche des Domkapitels von Münster gegründet wurde. Im Laufe der Jahrhunderte hat sie die Entwicklung der umliegenden Gemeinden miterlebt, mit bemerkenswerten Ereignissen wie der Unabhängigkeit von Klein-Reken unter dem Schutz des Heiligen Antonius Abt im 15. Jahrhundert. Im 20. Jahrhundert kam es zu weiteren Erweiterungen mit der Gründung neuer Pfarreien in Maria Veen, die schließlich 2006 wieder zu einer einheitlichen Pfarrei zusammengeführt wurden.
Die architektonische Geschichte der Kirche beginnt mit dem romanischen Turmbau aus etwa 1200, der später um ein gotisches Obergeschoss um 1300 ergänzt wurde. Das gotische Kirchenschiff aus dem 15. Jahrhundert und das nördliche Seitenschiff, das auf 1529 datiert und dem Coesfelder Baumeister Henric de Suer zugeschrieben wird, verleihen der Kirche historische Tiefe. Im Gegensatz zu vielen Kirchen ihrer Zeit blieb St. Simon und Judas von neugotischen Veränderungen verschont, was ihren mittelalterlichen Charakter bewahrt hat.
Eine bedeutende Renovierung im 20. Jahrhundert führte zur Entfernung bestimmter Elemente wie Grabplatten und hölzerner Altarausstattungen, deren Verbleib unbekannt ist. Das Innere der Kirche behält jedoch eine Galerie im nördlichen Seitenschiff und eine 2019 neu hinzugefügte Sakristei, nachdem sie eine Zeit lang ohne diese auskommen musste. Die Installation eines elektrischen Glockenläutwerks während der Renovierungen 2019/20 brachte einen modernen Akzent in dieses historische Gebäude.
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Im Inneren der Kirche findet sich eine Vielzahl künstlerischer und religiöser Artefakte. Ein romanisches Taufbecken, das 1732 mit barocken Elementen umgestaltet wurde, und ein gotisches Chorgestühl bieten Einblicke in die reiche Vergangenheit. Die barocken Altäre und die Kommunionbank sowie eine barocke Kanzel, die vermutlich aus der Stiftskirche von Vreden stammt, bereichern das visuelle und spirituelle Erlebnis der Kirche. Bemerkenswert ist, dass die Kanzel über einen neuen Zugang und ein neugotisches Kreuz verfügt, obwohl der ursprüngliche Schalldeckel fehlt.
Besucher können verschiedene Statuen bewundern, darunter eine barocke Darstellung des Heiligen Johannes Nepomuk und süddeutsche Figuren, die den Heiligen Georg zeigen. Diese Kunstwerke, von denen einige speziell für St. Simon und Judas geschaffen wurden, verstärken das historische Ambiente der Kirche.
Im nördlichen Seitenschiff der Kirche befindet sich ein sakrales Museum, das aus einer temporären Ausstellung hervorgegangen ist und nun dauerhaft religiöse Artefakte präsentiert. Besucher können Vitrinen mit Vasa Sacra, biblischen Fliesen und einer niederländisch beschrifteten Darstellung der Jungfrau Maria auf einer Wandfliese erkunden. Die Galerie zeigt auch Schaukästen mit Andachtsliteratur, Messbüchern und einem Stück eines barocken Altars aus der St. Gudula Kirche in Rhede.
Ein Highlight des Museums ist eine Sammlung fein geschnitzter Krippenfiguren aus dem frühen 18. Jahrhundert, darunter drei Könige, eine dunkelhäutige Figur, die möglicherweise einen Kameltreiber darstellt, zwei Hirten und eine kniende weibliche Figur. Diese Stücke sollen speziell für St. Simon und Judas gefertigt worden sein.
Für diejenigen, die dieses historische Juwel erkunden möchten, ist das Museum in den Sommermonaten sonntags von 10:00 bis 12:00 Uhr geöffnet. Besucher können in die bewegte Vergangenheit der Kirche eintauchen, ihre architektonische Schönheit bestaunen und über ihre spirituelle Bedeutung nachdenken.
Die Kirche St. Simon und Judas in Reken ist nicht nur ein Relikt der Vergangenheit; sie ist ein lebendiges Monument für den beständigen Geist von Glauben und Gemeinschaft. Ob ihr euch für Geschichte interessiert, Architektur liebt oder auf der Suche nach spiritueller Erfüllung seid, diese Kirche bietet einen faszinierenden Einblick in das reiche Geflecht von Deutschlands religiösem und kulturellem Erbe.
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