Die Temse-Brücke, lokal auch als Scheldebrug bekannt, ist ein beeindruckendes Brückenensemble, das den Oberlauf der Schelde bei Temse überspannt und die Provinzen Ostflandern und Antwerpen in Belgien verbindet. Dieses technische Meisterwerk, bestehend aus drei Brücken, ist nicht nur eine wichtige Verkehrsverbindung, sondern auch ein Zeugnis der reichen Geschichte und architektonischen Fähigkeiten der Region.
Die Temse-Brücke verbindet die Stadt Temse in der Region Waasland am linken Ufer der Schelde mit Bornem in Klein-Brabant am rechten Ufer. Die Straßenbrücke ist Teil der Regionalstraße N16, die Sint-Niklaas mit Mechelen verbindet. Die Eisenbahnbrücke dient der Bahnstrecke 54, die von Mechelen nach Sint-Niklaas führt. Diese strategische Lage macht die Temse-Brücke zu einem entscheidenden Infrastrukturelement, das sowohl den Straßen- als auch den Schienenverkehr über die Schelde ermöglicht.
Die Geschichte der Temse-Brücke reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück, als Fähren genutzt wurden, um die Schelde an dieser Stelle zu überqueren. Die erste Brücke wurde 1870 vom berühmten französischen Ingenieur Gustave Eiffel entworfen und gebaut. Diese 343 Meter lange Brücke wurde am 30. November 1870 eingeweiht und hatte zwei feste Zufahrtsrampen mit einer Fachwerkkonstruktion sowie einen schwenkbaren Abschnitt, der zwei 20 Meter breite Schifffahrtskanäle ermöglichte. Sie war Teil der Eisenbahnstrecke 54 über die Schelde von Mechelen nach Terneuzen und diente auch als Mautbrücke für Fußgänger und Tiere.
Im Ersten Weltkrieg erlitt die Brücke erhebliche Schäden, wurde jedoch später repariert. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke 1940 von französischen und belgischen Ingenieuren aus taktischen Gründen gesprengt, was zur Wiedereinführung eines Fährbetriebs bis 1955 führte.
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Der Bau der heutigen alten Brücke begann am 2. Juni 1949 und wurde 1955 abgeschlossen. Mit einer Länge von 365 Metern war sie bis zum Bau der neuen Brücke die längste Brücke über Wasser in Belgien. Diese Brücke beherbergte die Eisenbahnstrecke, eine zweispurige Regionalstraße sowie Geh- und Radwege. Die Brücke wurde am 19. Dezember 1955 eingeweiht und hatte zunächst einen beweglichen Abschnitt von 30 Metern. Aufgrund des rasanten Wachstums der Boelwerf-Werft in den 1950er Jahren war dies jedoch unzureichend, und 1963 wurde ein neuer beweglicher Abschnitt mit einer Spannweite von 50 Metern installiert, um der Werft den Bau größerer Schiffe zu ermöglichen.
Im April 1994 wurde der bewegliche Abschnitt der Brücke ersetzt. Im Mai 2005 entschied die flämische Regierung, die Brücke zu verdoppeln. Ein symbolischer erster Stein wurde im Oktober 2006 gelegt, und die Bauarbeiten begannen im April 2007. Die neue Brücke, bekannt als Scheldebrug Temse-Bornem, wurde zu einem Preis von 23,5 Millionen Euro fertiggestellt und wurde zur längsten Brücke über Wasser in Belgien.
Die neue Brücke, die am 29. Mai 2009 eingeweiht wurde, wurde parallel zur bestehenden Brücke gebaut, um den Verkehr zu entlasten. Die festen Abschnitte der neuen Brücke wurden in fünf Segmenten zwischen August und September 2008 installiert. Diese neue Brücke dient dem Verkehr in Richtung Bornem, während die alte Brücke dem Verkehr in Richtung Temse vorbehalten ist, außer während Wartungs- oder Reparaturarbeiten an der neuen Brücke.
Zwischen April 2018 und Februar 2021 wurde die alte Brücke umfassend renoviert, nachdem eine Inspektion schwere Schäden an der Stahlbrückendeckplatte des beweglichen Abschnitts festgestellt hatte. Die Renovierung umfasste die Wiederherstellung der Stahlbrückendeckplatte, das Aufbringen einer neuen rutschfesten Schicht und Markierungen sowie die Sanierung der gesamten Brückenkonstruktion in drei Phasen. Trotz der durch diese Arbeiten verursachten Verkehrsbehinderungen blieb der Bahnverkehr unbeeinträchtigt.
Die ursprüngliche von Eiffel entworfene Brücke war eine Drehbrücke, die eine Durchfahrtsbreite von zweimal 20 Metern ermöglichte, wenn sie geöffnet war. Der bewegliche Abschnitt der 1955 erbauten alten Brücke war eine Rollklappbrücke mit einer Länge von 30 Metern, die 1963 durch eine 50 Meter lange Rollklappbrücke ersetzt wurde. Die 2009 eröffnete Brücke ist eine doppelte Klappbrücke mit beweglichen Abschnitten von insgesamt 50 Metern Länge und einer Gesamtlänge von 374 Metern, was sie neun Meter länger als die alte Brücke macht. Wenn sie geöffnet ist, bleibt der nördliche Abschnitt der Brücke am längsten geöffnet, hebt sich zuerst und senkt sich zuletzt.
Die alte und die neue Brücke liegen nur zehn Meter auseinander und bieten gleiche Durchfahrtsbreiten für die Schifffahrt. Die maximale Navigationsgeschwindigkeit beträgt 14 Kilometer pro Stunde, und die Wasserstraße ist für Schiffe der CEMT-Klasse VIb geeignet, was Schubverbände bis zu 195 Metern Länge ermöglicht. Die freie Höhe des Brückenkomplexes beträgt 5,11 Meter, und der Schifffahrtskanal ist 45 Meter breit. Aufgrund der Lage von Temse in einem Gezeitenabschnitt der Schelde schwankt die Durchfahrtshöhe der geschlossenen Brücke zweimal täglich zwischen durchschnittlich 11,14 Metern bei TAW (mittlerer Niedrigwasserstand in Ostende) und 5,94 Metern bei mittlerem Hochwasserstand. Diese Schwankungen können durch Faktoren wie Wetterbedingungen, Jahreszeiten und Springfluten weiter variieren.
Der Brückenkomplex in Temse ist unter verschiedenen Namen bekannt, darunter Scheldebrug und Temsebrug, manchmal mit dem Zusatz der Bornem-Seite für die alte Verkehrsbrücke. Die flämische Wasserstraßenbehörde betrachtet den Komplex als drei separate Brücken, die von Westen nach Osten benannt sind: Scheldebrug Temse-Bornem (die neue Verkehrsbrücke), Scheldebrug Bornem-Temse (die alte Verkehrsbrücke) und Spoorbrug Temse (die Eisenbahnbrücke).
Die Temse-Brücke ist nicht nur eine wichtige Infrastrukturverbindung, sondern auch ein Symbol für die Widerstandsfähigkeit und Innovationskraft der Region. Ihre reiche Geschichte, die Jahrhunderte umspannt, und ihre modernen technischen Wunderwerke machen sie zu einem faszinierenden Ziel für Besucher und zu einer entscheidenden Verkehrsader für das regionale Verkehrsnetz.
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